Geflüchtete Frauen

Aktuelle Situation geflüchteter Frauen

Laut Daten des BAMF (2015) sind etwa 1/3 der in Deutschland Asylantragstellenden Geflüchteten Menschen Frauen. Sie haben auf Grund von Krieg, sozialer oder politischer Instabilität, sozio-ökonomischer, familiärer oder administrativer Konflikte ihr Heimatland verlassen. Auch sexuelle und häusliche Gewalt sind als Gründe zu nennen warum Frauen fliehen. Als frauenspezifische Fluchtursachen können etwa Genitalverstümmelung, Zwangsprostitution und Vergewaltigungen genannt werden (Binder und Tosic, 2003). Gerade in sich auflösenden Gesellschaftsstrukturen werden sexuelle Misshandlungen an Frauen zum Teil als Machtdemonstration gegenüber unterlegenen Gruppen eingesetzt, etwa in Form von öffentlichen Vergewaltigungen. Dazu kommen in vielen Herkunftsländern patriarchalische Strukturen mit restriktiven geschlechtsspezifischen Sittenregeln und Frauenrechtsverletzungen, die weitere Verfolgung z.B. von politisch aktiven Frauen mit sich bringen können. Sexuelle Übergriffe haben oft massive soziale Folgen und werden oft - auch von den Frauen selbst - als Schande und Entehrung aufgefasst. Diese Tabuisierung und möglicherweise die Befürchtung von der Familie oder dem Ehepartner verstoßen zu werden, stellt eine weitere eigenständige Belastung dar. Auch auf der Flucht sind insbesondere Frauen, die ohne männliche Familienangehörige reisen als vulnerabel anzusehen. Zudem gibt es deutliche Hinweise darauf, dass geflüchtete Frauen auch in Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland zu Opfern von Gewalt werden (Bundesregierung 2015; Rabe, 2015). Diese Frauen stellen somit eine besonders vulnerable Gruppe dar, da sie multiplen und komplexen Stressoren vor, während und nach der Flucht ausgesetzt waren und sind, die ihre Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen können. Erschwerend kommt hinzu, dass Frauen – im Gegensatz zu männlichen Geflüchteten – oft die alleinige Verantwortung für die mit geflüchteten Kindern tragen. Familien werden während der Flucht getrennt oder Frauen und Kinder versuchen den bereits geflüchteten Ehemännern nachzureisen und sind mit den Kindern auf sich allein gestellt.

Daher wird in diesem Projekt ein besonderes Augenmerk auf die Erlebnisse der geflüchteten Frauen vor, während und nach der Migration, ihre psychosoziale Gesamtsituation sowie ihren Zugang zur psychosozialen Versorgung gelegt, da diese Aspekte bislang nicht systematisch erfasst wurden

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